Gesundheitsthemen

ID #1146

Kotanhäufungen am Nestrand

Nach dem Schlupf werden die Kotabsonderungen der Nestlinge aus dem Nest entfernt. Innerhalb dieser Zeit produziert der Verdauungstrakt der Nestlinge eine Proteinsubstanz, welche eine Membran um den Kot bildet und auch innerhalb dieses Kotsäckchen als Bindemittel dient.

Interessant ist, daß innerhalb dieser Phase die Alttiere den Kot teilweise verzehren oder gar an die Nestlinge verfüttern.

Der Verzehr durch die Alttiere ist zwar nicht derart stark ausgeprägt wie z.B. bei verschiedenen Insektenfressern, aber dennoch festzustellen.

Da der Verdauungstrakt der Nestlinge noch nicht voll effizient arbeitet, weist der Kot einen noch hohen Energie- und Nährstoffgehalt auf.

Der Verzehr hat daher einen sinnvollen Hintergrund, der in Bezug auf die Nestlinge zudem der noch im Aufbau befindlichen Darmflora dient.

Das Austragen der Kotsäckchen hat weiterhin den Hintergrund, daß Feinde weniger auf die Nester mit den noch nicht mit Schutzreflexen vorhandenen Nestlingen aufmerksam werden. Zudem wird der Infektionsdruck verringert. Dies ist umso wichtiger, da die noch im Aufbau befindliche Darmflora und die geringere Sekretion im Drüsenmagen ihre ebenso wichtige Funktion als natürliche Barriere gegen Erreger noch nicht erreicht haben.

Es ist einleuchtend, daß die sogenannte Nestlingssterblichkeit (z.B. Schweisssucht - feuchte Nester - Coliinfektion) genau jenen Lebensabschnitt betrifft, indem der Kot üblicherweise aus dem Nest getragen wird.

Etwa mit der zweiten Lebenswoche stellen die Nestlinge die Produktion der Kotsäckchen ein und beginnen naturgemäß wie viele carduelide Finken den Kot auf dem Nestrand zu platzieren.

In dieser Phase setzen die Schutzreflexe ein. Zudem arbeitet der Verdauungstrakt bereits effizient und die Darmflora hat eine hohe Funktion.

Bis zum erreichen der Geschlechtsreife nimmt die Fabricius-Drüse in puncto Immunsystem die entscheidende Rolle ein.

 

Es stellt sich daher abschließend die Frage ob der sich ansammelnde Kotwulst am Nestrand entfernt werden sollte oder nicht.

Grundsätzlich ist dieser Kotwulst eine natürliche Begebenheit, dessen Entfernung möglicherweise ästhetische Gründe haben mag. Die Entfernung oder das Belassen hat mit Hygiene oder mangelnder Hygiene nichts zu tun.

Es dürfte eher davon ausgegangen werden, daß eine "übertriebene Hygiene" sich nachteilig auf die Immunität der Nestlinge auswirkt.

Dies gilt ebenso für die abgesetzten Jungtiere, deren Immunität eine moderate Konfrontation mit Erregern voraussetzt. Gutes Beispiel ist hier die homologe Immunität gegen Kokzidien. Aus diesem Grunde ist auch die Verwendung sogenannter Kotgitter äußerst skeptisch zu sehen.

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Letzte Änderung des Artikels: 2010-06-21 11:23
Verfasser des Artikels: Oli
Revision: 1.1

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